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Steglitzer FC Stern 1900 auf FuPa

Um die Jahrtausendwende war er bei Hansa Rostock, spielte für die Zweite, trainierte mit den Profis und stand kurz vor seinem Bundesliga-Debüt. Das hatten die Trainer damals durchblicken lassen. Nach einer durchzechten Nacht aber machte er morgens auf dem Trainingsplatz nicht den allerfrischesten Eindruck – die Verantwortlichen hatten das auch bemerkt.

  

Mit der großen Karriere war es vorbei, ehe sie überhaupt angefangen hatte. Thurau ging nach Berlin zurück, spielte für den LFC Berlin, Lichtenberg 47, Germania 88 und Viktoria 89. 2006 wechselte er zu Stern 1900, stieg mit seinem neuen Klub von der Landes- in die Verbandsliga auf – und ist immer noch da, inzwischen im achten Jahr. Aus der Mannschaft ist er nicht wegzudenken. Bernd Fiedler weiß, was er an Thurau hat. „Andi ist einer der letzten Typen mit Charisma“, sagt der Chef von Stern 1900. „Er hat die alten Zeiten noch erlebt, als man sich als junger Spieler erst einmal hinten anstellen musste. Heute stellt er etwas dar, er packt an auf dem Platz, ist ein Vorbild für die Jungen. Und ich glaube, inzwischen gefällt ihm diese Rolle, auch die des manchmal provokanten Spaßvogels.“ Über seine sportlichen Qualitäten gibt es keine zwei Meinungen. Die stellt der Spaßvogel mit seinen 35 Jahren immer noch Woche für Woche im Mittelfeld unter Beweis. Was Standards angeht, gehört er zu den herausragenden Spielern der Liga. Und seine weiten Einwürfe, die wie Flanken in den Strafraum fliegen, sind sein Markenzeichen. Dazu kommt eine enorme Technik, dem ballsicheren Thurau die Kugel abzuluchsen, ist ein schwieriges Unterfangen. Da guckt immer wieder der Straßenfußballer in ihm durch. Er mag ein paar Kilos zuviel auf den Rippen haben, das aber hindert ihn nicht daran, ein enormes Laufpensum abzuspulen. „Körperlich bin ich seit Monaten richtig gut drauf“, sagt Thurau. Er scheint derzeit seinen zweiten Frühling zu erleben. Die Sache mit Hansa und dem Karriereknick ist längst ausgestanden. Längst steht Thurau im Berufsleben seinen Mann – er leitet den Vertrieb von Arbeitssicherheitsprodukten in einem Großhandelsbetrieb. Privat fordert sein fast zehnjähriger Sohn Jordan seine ganze Aufmerksamkeit. Und die Hochzeit mit seiner Freundin Sina, mit der er seit zehn Jahren liiert ist, soll im nächsten Jahr stattfinden. Aber da ist ja auch noch Stern 1900. „Wir haben uns in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert“, sagt Thurau, „unser Trainer Manuel Cornelius hat viele neue Trainingsmethoden eingeführt. Dieses Jahr ist für uns was drin“. Sogar der Aufstieg in die Oberliga. „Ob ich in dem Fall aber noch weiter dabei bin, muss man sehen“, sagt er. Da möchte man sich beinahe wünschen, dass Stern in der Berlin-Liga bleibt. Denn wenn einer wie Thurau seinen Abschied nähme, würde dem Berliner Fußball etwas fehlen!

Von Bernd Karkossa