Veröffentlicht am Freitag, 17. Oktober 2014 18:29 - Geschrieben von Hagen Nickelé

Nach neun Spieltagen jeweils 23 Punkte, ein Torverhältnis von plus 19 bzw. plus 18, der nächste Verfolger fünf Punkte dahinter - keine Frage: diejenigen, die einen Zweikampf zwischen Tasmania und Tennis Borussia vorausgesagt haben, werden durch die aktuellen Zahlen der "Doppelspitze" in der höchsten Spielklasse der Hauptstadt bestätigt. Und auch wenn es für TeBe beim Nachholspiel in Köpenick nach einem "Ausrutscher" aussah, dann ist da ja immer noch Michael Fuß: der Torjäger der Charlottenburger, der in keiner Spieltagsvorschau fehlt. Er sicherte mit seinem absoluten "Last-Minute-Treffer" doch noch den Dreier und bewies dabei einmal mehr seine Extraklasse in der Berlin-Liga. Und so stehen nun die beiden Favoriten vor dem 10. Spieltag an der Tabellenspitze und werden ihr Fernduell mit Höllentempo  fortsetzen.

Den SV Tasmania scheint dabei in der 10. Runde zuhause gegen den Drittletzten eine einfache Aufgabe zu erwarten - doch der heißt TSV Rudow und das bedeutet: Derby-Zeit in Neukölln! Wie es sich für richtige Derbies gehört, spielt auch hier die Platzierung eine untergeordnete Rolle. Die Motivation beider Mannschaften dürfte das spielerische Moment in der Partie etwas kürzer kommen lassen, dafür werden Freunde des laufintensiven und zweikampfbetonten Fußballsports ihren Spaß haben. Und wer noch eines Beweises für die 50:50-Ausgangslage bedarf, der sei an die vergangene Saison erinnert, als die Rudower unter ähnlichen  Voraussetzungen einen Punkt aus dem Werner-Seelenbinder-Sportpark entführten - und dabei nach Schlusspfiff nicht nur feierten, sondern auch mit dem Ergebnis haderten. Für die Tasmanen war's dagegen - seinerzeit unmittelbar nach dem 6:1 bei Hertha 03 - ein Dämpfer bei der Aufholjagd. Beide Vereine beklagen aktuell zwar eine Reihe von Ausfällen, aber auch im "zweiten Anzug" wird man wissen, dass es hier um mehr als nur drei Punkte geht.

Tennis Borussia schließt seine Englische Woche mit dem dritten Auswärtsspiel – diesmal beim 1.FC Wilmersdorf - ab. Nach den Torfestivals der vergangenen Wochen sind die Lila-Weißen in der Liga  wieder zum Stil der knappen Siege zurückgekehrt - zuletzt 2:1 in Rudow und 1:0 in Köpenick. Das Pokal-Aus in Mahlsdorf ist zwar ärgerlich, könnte sich langfristig im Meisterschaftsrennen aber vorteilhaft auswirken. Sollte Kontrahent Tasmania wieder weit im Wettbewerb kommen, könnte das einige kräftezehrende Englische Wochen zur Folge haben, die für TeBe nun entfallen. Kurzfristig aber will die Elf von Daniel Volbert erst mal ihrer Favoritenrolle an der Blisse-Ritze gerecht werden und einen weiteren Auswärtssieg einfahren. Für den Gastgeber spricht in dieser Konstellation wenig. Torjäger Efrain Gakpeto ist immerhin gut in Schuss und hat auch schon fünfmal getroffen.  Und: an den Spieltagen 7 und 8 gelangen den Wilmersdorfern ihre ersten beiden Saisonsiege – jeweils zuhause...

Verfolger Nummer eins des Spitzenduos könnte indes der momentane Tabellenvierte CFC Hertha 06 werden. Der Grund dafür: die Heimniederlage gegen den Nordberliner SC wurde wegen des Einsatzes eines nicht spielberechtigten Akteurs gelöscht, die Partie wird Mitte November wiederholt. So sehr der Aufsteiger bislang vom „Grünen Tisch“ profitierte, so sehr leidet man aber auch unter der langen Ausfallliste. Trainer Murat Tik hofft, dass die „Pokalpause“ (der FC Nordost wurde mit einem Rumpfaufgebot 2:0 bezwungen) den einen oder anderen Spieler hat fit werden lassen – und mit möglichen Dreiern in vier Wochen wird er auch nicht kalkulieren. Vielmehr steht am Sonntagmittag schon wieder eine echte Bewährungsprobe für den starken Neuling an: das Gastspiel beim SFC Stern 1900. Der liegt auf Rang 6 und könnte mit einem Heimsieg an den 06ern vorbei ziehen. Dennoch fehlte es den Steglitzern bislang an Konstanz – das liegt vor allem an der eher dürftigen Heimbilanz. An der Kreuznacher Straße, wo die Trauben für Gäste vergangene Saison sehr hoch hingen, musste die Mannschaft von Trainer Manuel Cornelius schon zwei Niederlagen einstecken.

Die Formkurve von Eintracht Mahlsdorf zeigte zuletzt wiederum unmissverständlich nach oben. Zuletzt drei Liga-Siege in Serie plus das Weiterkommen gegen TeBe im Pokal sprechen für sich – und das, obwohl die Eintracht den langwierigen Verlust ihres Torjägers Christoph Zorn zu beklagen hat, der sich am 8. Spieltag einen Mittelfußbruch zuzog. Dennoch trafen die Mahlsdorfer allein in den letzten beiden Partien 10-mal. Der Berliner SC, der den Tabellendritten am Sonntagmittag empfängt, tut also gut daran, sich kompakt aufzustellen. Zuletzt bezog die Mannschaft von Michael Wolf ja mit 0:7  bei Tasmania eine deftige Niederlage und wäre in dieser Situation sicherlich mit einem Punkt schon recht zufrieden.

Die VSG Altglienicke – auch als Mitfavorit gehandelt – steckt nach drei Niederlagen und dem Pokal-Aus beim klassentieferen SF Johannisthal in der Krise. Das junge Trainer Duo Felix Below / Benjamin Ulbricht erklärte dazu diese Woche seinen Rücktritt. Vorübergehend übernimmt der Sportliche Leiter Daniel Böhm das Traineramt – bleibt abzuwarten, was er angesichts der Defensivprobleme (22 Gegentore in neun Spielen) und der Verletztenmisere zumindest kurzfristig bewirken kann. Sonntagmittag tritt die VSG beim Köpenicker SC an. Nach dem bitteren 0:1 in letzter Minute gegen TeBe am Mittwoch hat die Elf von Trainer Heiko Schickgram also eine schnelle Gelegenheit zur Frustbewältigung. Dass die Heimstärke bei den Köpenickern trotz der Niederlage wieder da ist, haben sie in den Partien zuvor bewiesen. Bleibt die Frage, ob der „angeschlagene Boxer“ aus Altglienicke da gerade recht kommt – oder ob er zu alter Gefährlichkeit zurückfinden kann.

Zu guter Letzt wollen wir noch auf das „Live-Spiel“ am Samstag hinweisen: die Sportbilanz sendet am Samstag auf dem Internetstream c-radio.de von der Begegnung SV Empor – VfB Hermsdorf.

Der SVE hat ernste Probleme, weist derzeit mit sieben Spielen ohne Dreier die längste Negativserie aller Berlinligisten auf. Gegner Hermsdorf liegt auf Platz 9 nicht schlecht, kassierte aber bei den letzten beiden Niederlagen zehn Gegentreffer. Dazu schied der VfB beim Kreisligisten Friedrichshagener SV aus dem Pokal aus.

 

Die Partien des 10. Spieltags im Überblick

Samstag, 14 Uhr

FC Internationale (12.) – Nordberliner SC (17.)  13 Uhr, Monumentenstr.

SV Empor (15.) – VfB Hermsdorf (9.)  Jahn-Sportpark

Sonntag, 14 Uhr

Köpenicker SC (11.) – VSG Altglienicke (8.)  12 Uhr, Wendenschloßstr.

Berliner SC (13.) – Eintracht Mahlsdorf (3.)  12.30 Uhr, Hubertusallee

SFC Stern (6.) – CFC Hertha 06 (4.)  12.45 Uhr, Kreuznacher Str.

SC Gatow (18.) – BFC Dynamo II (5.)  Sportplatz Gatow

SV Tasmania (1.) – TSV Rudow (16.)  Werner-Seelenbinder-Sportpark

SV Sparta (10.) – SC Staaken (7.)  Fischerstr.

1. FC Wilmersdorf (14.) – Tennis Borussia (2.)  15 Uhr, Volkspark