Steglitzer Kicker und ihr neuer Coach Yanik Schottelius erwarten VfB Fortuna Biesdorf
Am Sonnabend endet für den SFC Stern 1900 die Wintervorbereitung – und die Schonfrist. Mit Fortuna Biesdorf gastiert eine unangenehme, körperlich präsente Mannschaft auf dem Sterner, die der neu formierten Elf der Gastgeber sofort alles abverlangen dürfte.

Für Trainer Yanik Schottelius beginnt damit eine Rückrunde unter erschwerten Bedingungen. Als er im Winter übernahm, war noch nicht ganz klar, dass der personelle Umbruch so erheblich ausfallen würde. Mit Lukas Rohana, Florian Medrane, Can Cakin und Eddie Udeoka verließen vier langjährige Stützen den Verein in Richtung des ambitionierten Bezirksligisten Delay Sports. Auch Marvin Özdal, ebenfalls über Jahre Stammkraft, wechselte zum Ligakonkurrenten TSV Mariendorf. Hinzu kommt der Abgang von Ali Elmahdawi (SC Staaken) sowie von Ibo Keita, der dem Sterner quasi im Nachbeben der Entlassung des kompletten Trainer-Stuffs im Herbst den Rücken gekehrt hatte. Und: Leon Krost fehlt weiterhin verletzt.

Acht bewährte Kräfte stehen damit im Vergleich zur Vorrunde nicht mehr zur Verfügung. In Ali Iraqui (TSV Rudow), Berk Karadayi (SSC Südwest) und Dhimitrios Kolndreu sind zwar Kicker mit Format hinzugekommen, doch der Kader ist insgesamt deutlich geschrumpft. „20 Feldspieler“, konstatiert Schottelius. Passend zur schwierigen Lage: Ali Iraqui verletzte sich im letzten Test gegen Hilalspor gleich einmal und wird am Samstag fehlen.

Die aufgrund der Witterung holprige Vorbereitung spielte Schottelius‘ Bestreben, eine neue Einheit zu formen, nicht gerade in die Karten. „Aber ich denke, wir haben das Beste daraus gemacht“, sagt der Coach. „Wir haben sogar im Kabinentrakt trainiert.“ Ziel sei es auch gewesen, Spieler, die bislang nicht zum Dauerpersonal zählten, „spielfit“ zu bekommen. Man habe dazu jede Möglichkeit gesucht. Gleichwohl glaubt der Trainer, dass es noch einige Pflichtspiele brauche, um das gewünschte Fitnessniveau zu erreichen.
Während der Testphase gab es gegen den Oberligisten TuS Makkabi (2:3) ordentliche Ansätze, auch wenn in der Defensive den Gästen großzügige Geschenke gemacht wurden. Gegen die Landesligisten FSV Hansa 07 (1:4) und zuletzt Hilalspor (2:3) setzte es dann durchaus empfindliche Niederlagen. Schottelius relativierte zwar die Aussagekraft der Ergebnisse – sie spiegelten nicht unbedingt den Spielverlauf wider –, aber auch ihm blieben die Baustellen nicht verborgen. In diesen beiden Partien fehlte Stern über weite Strecken der Zug zum Tor, dazu störten den Coach natürlich die vielen Gegentreffer.

Mehr Zielstrebigkeit, mehr Vertikalspiel im Angriff, stabiler in der Defensive. Klare Ansatzpunkte für Schottelius sowie seine beiden Co-Trainer Stanislav Shapiro und Mario Langner in den künftigen Übungseinheiten. Aber schon zum Start des Restprogramms traut das Trio seinem Team mehr Effizienz vor dem Tor der Gäste zu, genauso wie ein konsequenteres Abwehrverhalten – zu letzterem dürfe laut Schottelius auch der unpopuläre lange Ball kein Tabu sein, wenn es die Situation verlange.
Stern will ein schwer zu schlagender Gegner sein
Trotz des enormen Aderlasses jammert Schottelius nicht. Im Gegenteil. Er scheint die Herausforderung angenommen zu haben, ist positiv gestimmt und freut sich auf den Start. Auch weil die Spieler Bock haben und voll mitziehen. Es gehe nun darum, schnell ein Mannschaftskonstrukt auf den Platz zu bekommen, das eklig in den Zweikämpfen und grundsätzlich erst einmal schwer zu schlagen ist. Wenn dann nach vorne noch etwas gehe: umso besser. „Aber so eine Struktur muss wachsen, das braucht Zeit“, so der Coach.

Allzu viel davon haben er und das Team allerdings nicht. Platz 9 steht zu Buche. Das bedeutet zwar nur vier Punkte Rückstand auf Platz 2, aber eben auch nur acht Zähler Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz. Und dort steht? Richtig! Fortuna Biesdorf. Die Mannschaft setzte Stern im Hinspiel schwer zu und schickte die Gelbblauen mit einem klaren 2:4 zurück nach Steglitz. Für die Revanche braucht es schon besagtes Konstrukt.
Zugang Kolndreu trifft gleich auf seinen Ex-Club
Schottelius: „Biesdorf ist ein Team, das in der Offensive zockt, auch gerne mal die Box mit vielen Spielern flutet. Das macht sie gefährlich, bietet aber auch Räume. Und die wollen wir nutzen.“ Ab 13.30 Uhr stellt sich heraus, wie weit Stern mit dem Umbruch schon ist. Übrigens mit Dhimitrios Kolndreu im Kader, der nach seinem Wechsel zu Stern gleich auf seinen Ex-Club trifft.
Fotos: Ralf Seedorff
