Stern 1900 dreht packendes Spiel gegen Mariendorf

Brandt-Elf stellt binnen zwei Minuten die Weichen plötzlich auf Sieg. Mann des Tages: Nicolas Fäßler

Nach dem Fehlstart beim Frohnauer SC war Stern 1900 im Heimspiel gegen den TSV Mariendorf auf Wiedergutmachung aus. Doch zunächst lief es alles andere als nach Plan. Nach einer Viertelstunde vertändelte Sterns Abwehrreihe den Ball am eigenen Strafraum, Mariendorfs Wesa Van-Dunem ließ sich nicht zweimal bitten und traf zur frühen Führung der Gäste (14.). Kurz darauf hatten die Gäste sogar die Chance zum zweiten Treffer, doch Bojo Dickersbach rettete spektakulär gegen einen Schuss in den Winkel von David Rosner.

Flo Medrane verfehlte in der ersten Hälfte knapp die Kiste, in der zweiten klatschte sein Fernschuss an den Pfosten.

Stern brauchte nach dem Gegentreffer einige Minuten, um zurück ins Spiel zu finden. Eddie Udeoka setzte sich stark über die linke Seite durch, Oliver Gantzbergs Abschluss blieb aber ungefährlich. Jordi Thurau verfehlte mit einer Direktabnahme das Ziel knapp. In der 34. Minute bot sich die Riesenchance zum Ausgleich: Kapitän Florian Medrane umspielte den herauseilenden Keeper, spitzelte den Ball aus spitzem Winkel aber über das Tor. Fast im Gegenzug vergab erneut Van-Dunem frei vor dem Tor. Kurz vor der Pause zwang Leon Krost den Mariendorfer Keeper noch zu einer Parade – es blieb beim knappen Rückstand.

Nach der Pause blieb der TSV zunächst überlegen und hätte sich für den schlichtweg besseren Auftritt fast sofort belohnt. Der für den Ex-Sterner Yusuf Yorguner eingewechselte Vincent Bühler und Benjamin Tutic scheiterten jedoch beide am starken Dickersbach. Trainer Kai Brandt sagte nach dem Spiel: „Das ist eine sehr starke Mannschaft und wenn sie uns da das zweite Tor einschenken, kommen wir vermutlich nicht mehr zurück.“

Zugang Hamid Sen, 20 Jahre jung, markierte seinen ersten Treffer für Stern.

So aber kamen die Steglitzer zurück — und wie. Brandt hatte dreifach gewechselt. Nach gut einer Stunde erst Fäßler und Ibo Keita für Jordan Thurau und Can Cakin, etwas später Hamid Sen für Lukas Rohana. Volle Fahrt voraus also, dachte sich der Coach – und Stern kam prompt ins Rollen. In der 75. Minute schlug Dickersbach weit und präzise ab, Fäßler nahm den Ball stark herunter und leitete ihn direkt zu Sen weiter, der eiskalt zum 1:1 vollendete. Überragende Vorarbeit, erstes Tor für Sen in gelb-blau.

Fußball ist manchmal einfach irre. Denn nun kippte die Partie. Mariendorf verlor die Kontrolle und plötzlich Zweikämpfe, Stern drückte, war endlich nicht mehr den Schritt langsamer, schüttelte mit einem Mal die Lethargie von 75 Minuten ab. Ein weiter Einwurf von Krost führte nur eine Minute nach dem Ausgleich zum 2:1: Im Strafraumgewühl reagierte Gantzberg am schnellsten und brachte den Ball im Fallen über die Linie.

Nicolas Fässler (l.), Mann des Tages, trifft den Ball optimal: 3:1.

Damit nicht genug. Jetzt nahm die Partie erst so richtig Fahrt auf. Erst legte sich Sterns Kapitän Flo Medrane einen Befreiungsschlag der Gäste 25 Meter vor dem Tor selbst in den Lauf und zog ab – der Ball klatschte halbhoch an den rechten Pfosten. Medrane wollte schon zum Torjubel abdrehen. In der 84. Minute durfte er dann aber. Der agile Keita war auf dem rechten Flügel auf die Reise geschickt worden und hatte den Ball flach und scharf nach innen gepasst. Fäßler hielt den Schlappen hin und der Ball schlug im Giebel des Mariendorfer Gehäuses ein (84.).

Ende Gelände? Nö! Nichts war entschieden. In der Nachspielzeit verkürzte Mariendorf durch Memet-Can Senocak auf 2:3 und warf alles nach vorn. In hektischen Schlussminuten verteidigte Stern jedoch mit großem Einsatz und brachte den Sieg über die Zeit.

Luca Rohr und Co. bleiben lange hinter ihren Ansprüchen zurück, erst in der zweiten Hälfte platzt der Knoten.

Brandt war nach dem Abpfiff um ein paar graue Haare reicher, dafür um ein paar Sorgen ärmer. „Es war zwar in der ersten Hälfte nicht gut und auch in der zweiten müssen einige Dinge besser machen. Aber wir haben mit den Wechseln ein ganz gutes Händchen gehabt und die Mannschaft hat heute enorme Mentalität gezeigt, das war stark. Dieser Sieg war nach der Pleite in Frohnau extrem wichtig für uns.“

Und Fäßler, der vor seinem Assist zum 1:1 den 70-Meter-Abschlag von Boyo Dickersbach – bedrängt von zwei Gegenspielern – aus dem Steglitzer Nachthimmel herunterpflückte wie eine reife Pflaume vom Baum, kommentierte das Kunsstück so: „Ich habe Boyo gesagt, er soll das mal probieren. Wenn ich den nicht annehme, spielt er mir nie wieder diesen Ball.“ Sprachs und entschwand grinsend in Richtung Kabine.


Fotos: Ralf Seedorff

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