Nachholspiel in der Berlin-Liga: Gelb-Blau will den Aufwärtstrend bestätigen – beide Teams wittern die Chance, zur Spitze aufzuschließen
Wenn an diesem Mittwochabend um 19.30 Uhr im Volkspark Wilmersdorf angepfiffen wird, treffen bezüglich der Punkte zwei Tabellennachbarn aufeinander. Die Partie zwischen dem 1. FC Wilmersdorf und dem SFC Stern 1900 war vor einigen Wochen verlegt worden, nachdem der gefrorene Kunstrasen vom Schiedsrichter als zu gefährlich eingestuft worden war. Nun wird sie nachgeholt – mit veränderten Vorzeichen.

Das Momentum liegt auf Seiten der Gäste. Stern reist mit breiter Brust in den Nachbarbezirk. Auf das frustrierende Unentschieden bei Polar Pinguin folgte zunächst der in buchstäblich letzter Minute erkämpfte Achtungserfolg beim 2:2 bei Füchse Berlin – ehe die Gelb-Blauen am vergangenen Wochenende die zweite Mannschaft der VSG Altglienicke auf eigenem Platz mit 5:1 geradezu demontierten. Wilmersdorf hingegen kam am Freitagabend zuhause nicht über ein 3:3 gegen Kellerkind Steglitzer Südwest hinaus – ein Ergebnis, das sich wie ein Dämpfer anfühlte.
Für Stern geht es nun darum, den positiven Trend der vergangenen Wochen aufrechtzuerhalten. Gerade das Remis bei den Füchsen hatte gezeigt, welches Potenzial in der Mannschaft steckt. Nach Ansicht von Interimstrainer Andi Thurau wäre dort sogar mehr möglich gewesen, die Gelb-Rote Karte gegen Jule Hartmann bezeichnete er im Nachgang als unberechtigt. Mit der Spielweise seiner Mannschaft zeigte sich Thurau dennoch sehr zufrieden.

Am heutigen Mittwochabend wird Thurau jedoch aus privaten Gründen nicht an der Seitenlinie stehen können. Die Verantwortung übernimmt Co-Trainer Mario Langner, der die Mannschaft im Volkspark Wilmersdorf führen wird.
Langner weiß allerdings auch um die personellen Einschränkungen. Während das Momentum klar für die Steglitzer spricht, tut es die Personaldecke eher nicht. Gut ein halbes Dutzend etablierter Kräfte steht nicht zur Verfügung – sei es urlaubs- oder verletzungsbedingt. Zu den Ausfällen zählen Florian Medrane (Muskelfaserriss), Mik Dankou und Tim Schönfuß-Hahm (beide angeschlagen). Ebenfalls fehlen Omar Hajjaj, Ali Shaarawy, Can Cakin (alle im Urlaub) sowie Lukas Rohana, der bereits seit längerer Zeit an einer Knöchelverletzung laboriert. Darron Adamou und Leon Krost steht schon länger verletzungsbedingt nicht zur Verfügung.

Zu allem Überfluss brach sich Ersatztorwart Elias Fürstenau im Abschlusstraining einen Finger. „Wir bekommen trotzdem eine schlagkräftige Truppe auf den Platz“, sagt Langner. „Die Personaldecke ist dünn, das ist keine Frage. Aber wir fahren nach Wilmersdorf, um zu gewinnen.“
Nach dem Trainerwechsel blieb wenig Zeit für grundlegende Korrekturen, doch die Entwicklung ist erkennbar. Stern agiert variabel, ist gefährlich in den Umschaltmomenten und zeigt sich aggressiv im hohen Anlaufen. Die Handschrift des Trainerteams ist sichtbar – auch wenn sich der Aufschwung bislang nicht in jedem einzelnen Ergebnis widerspiegelte.

In der Tabelle trennt beide Teams nur ein Punkt. Wilmersdorf steht bei 26 Zählern, Stern folgt mit 25. Tabellenführer Füchse Berlin hat 33 Punkte. Für beide Mannschaften bietet sich also die Gelegenheit, Boden gutzumachen. In der ausgeglichenen Berlin-Liga wird wie so oft auch die Tagesform eine Rolle spielen. Doch zumindest das Momentum spricht derzeit für die Steglitzer.
Fotos: Ralf Seedorf
