Zwei Tore aus dem Nichts

Stern und Füchse trennen sich 1:1 in einem Topspiel, das hinter den Erwartungen zurückbleibt

Die Spitzenbegegnung der Berlin-Liga zwischen dem Tabellenzweiten Stern und den drittplatzierten Füchsen am Sonntag lebte eindeutig mehr von der Spannung als von spielerischem Glanz. Dementsprechend groß war die Unkerei bei den jeweiligen Fans auf den gut gefüllten Rängen auf dem Sterner. Die Treffer fielen jeweils, als der Gegner gerade etwas Übergewicht bekam.

Sterns 6erTim Schönfuß-Hahm krönte seine starke Leistung mit dem Treffer zum 1:0.

Während der ersten Schicht erwischte Stern die zu dem Zeitpunkt etwas besser im Spiel befindlichen Gäste kalt. Die Füchse hatten sich bis dahin eine Handvoll mal gefährlich dem Steglitzer Kasten genähert, waren aber beim letzten Pass zu ungenau oder bekamen nicht genügend Druck hinter ihre Abschlüsse – der gute 1900er-Keeper Boyo Dickersbach hatte beim Entschärfen keine Mühe.

Boyo Dickersbach war wieder einmal ein sicherer Rückhalt für Stern.

Irgendwann lieferte die Offensivfraktion der Hausherren dann auch die ersten Arbeitsnachweise. Eine von Florian Medrane zum Tor hin gedrehte Ecke von der rechten Seite köpfte Can Cakin noch relativ klar am rechten Pfosten vorbei (27.). Knapper war da schon Oliver Gantzbergs Versuch eine Minute später von der Strafraumkante aus, zentrale Position. Sein Schuss sauste ein paar Zentimeter flach neben dem linken Pfosten des Füchse-Gehäuses vorbei, nach dem Stern den Ball durch sehr forsches Angriffspressing erobert hatte.

Olli Gantzberg hatte in der ersten Hälfte Pech mit einem Abschluss.

Das „Tor aus dem Nichts“, wie es Sterns Torwart-Trainer Simon Slotta beschrieb, entsprang dann einem schicken Spielzug der Sterner Kicker, den Jule Hartmann kurz vor der Mittellinie mit einem Pass auf die linke Seite zu Cakin eröffnete. Cakin schickte Eddie Udeoka auf die Reise, dessen scharfe Flanke von der Grundlinie schlecht geklärt wurde. Leon Krost zog von halbrechts im Strafraum ab, seinen Schuss lenkte Füchse-Keeper Kevin Otremba per Blitzreflex noch an die Latte, gegen den Nachschuss von Tim Schönfuß-Hahm war dann aber kein Kraut mehr gewachsen (36.). Mit dem 1:0 ging es in die Pause – etwas schmeichelhaft für das Team von Trainer Maxi Obst.

Riesenchance: Marvin Özdal hätte den Sack zu machen können.

Die zweite Schicht lässt sich vielleicht so gut zusammenschreiben: Die Gäste kamen mit dem hohen Anlaufen von Stern nicht zurecht, Überträge in das letzte Drittel wurden rar. Die Steglitzer konnten allerdings kein Kapital aus frühen Balleroberungen schlagen. Die einzige richtig dicke Chance vergab Marvin Özdal, der dem letzten Mann der Füchse die Kugel abluchste, sich alleine auf den Weg zum 2:0 machte, das Spielgerät dann aber rechts oben neben den Kasten jagte. Groß das Gestöhne im Fanblock der Steglitzer über den ausgelassenen „Riesen“. Trotzdem stark, wie sich Özdal die Chance erarbeitete und Glück für die Gäste: Oft passiert ihm sowas nicht.   

Viel Zeit blieben Flo Medrane und dem Rest der Steglitzer gegen die Füchse nie.

Überhaupt, mittlerweile konnten beide Teams ihren Anhängern nicht mehr viel recht machen. Zwei Freistöße von Stern – einer ein wenig zu weit rechts vorbei, einer verfing sich in der Mauer – lösten genauso Unmutsbekundungen aus wie die vergeblichen Versuche der Füchse auf den Ausgleich. Der dann aber trotzdem fiel und ganz nebenbei der geplagten Tribüne auch noch den fußballerischen Leckerbissen des Tages servierte. Leon Krost köpfte eine Ecke von links ins Zentrum an die Begrenzung der Box. Nicht gut, denn dort kam Kaan Tüysüz angerauscht und hämmerte den Ball mit links per Dropkick halb hoch in die rechte Ecke (65.). Technisch äußerst anspruchsvoll und zu wuchtig – Dickersbach war chancenlos.

Am Ende stand ein leistungsgerechtes Ergebnis, mit dem die beiden Titelaspiranten wohl ganz gut leben können. Wermutstropfen: Branchenführer SD Croatia gab sich gegen den TSV Mariendorf keine Blöße (4:2-Sieg) und baute den Vorsprung auf Stern und die Füchse auf sechs beziehungsweise sieben Punkte aus.    


Fotos: Ralf Seedorff

Nach oben scrollen